Stadtentwicklung Bozen
Auftraggeber: Stadt Bozen
Partner: G. Sommer
Partner: Gilbert Sommer
Stadtentwicklung: Städte funktionieren nicht auf dem Prinzip der Separierung – Wohnen, Handel, Freizeit, Industrie, Dienstleistungen müssen aufeinander zugehen, auch geographisch. Einerseits um Transportwege zu verkürzen, andererseits um Funktionsvielfalt und damit verbundenes Pulsieren der Städte zu garantieren. Wir kennen die Leblosigkeit monogam geführter Bürozentren, Wohngettos (siehe Paris, London….) Unsere Tätigkeiten wie Wohnen, Arbeiten, Handeln, Wirtschaften, Produzieren, Erholen…, müssen ineinander übergreifen, dürfen nicht voneinander getrennt werden!
Polygamie, Erreichbarkeit und Mobilität sind Grundvorraussetzungen für das Funktionieren einer auch noch in Zukunft pulsierenden Stadt. Mit PKW- Verkehr stößt man dabei bald an die Grenzen der Förderkapazität, derzeit übliche Umweltbelastungen sind auf längere Zeit nicht mehr tragbar. Um bestehende Straßen zu entlasten, bzw. die Transportkapazität um ein Wesentliches zu erhöhen, muß über andersartige Verkehrsmittel diskutiert werden. Die Einführung weiterer Transportmittel, wie der Untergrundbahn oder Schwebebahn ist längst nicht mehr Zukunftsmusik – zahllose Beispiele bestätigen deren Funktionieren und Wirtschaftlichkeit.
AD BOZEN – ENTWICKLUNG UND ENTWICKLUNGSPHASEN
Die bestehende Industriezonenstruktur wird als vorgegebenes Geländemodell be-trachtet. Straßenräume bilden Täler, Gebäude bilden Berge und Hügel, Fassaden bilden Felswände, Freiflächen bilden Felder, Dächer bilden Hochebenen. Über diese technoide Landschaft wird „SORG“ (Stadt-ORGanisator)gelegt, der sich in alle drei Richtungen entwickeln kann: Er greift unter die technoide Landschaft, legt sich auf sie, durchdringt sie und bedeckt sie. Durch dieses Überlagern, Ineinandergreifen, Verschneiden…. entsteht eine völlig neue Landschaft, mit neuen Schluchten, Nischen, Plateaus, Freiräumen…., mit multifunktionalen Eigenschaften. Nischen absolut Privater Natur liegen direkt neben Schluchten mit hoher Verkehrsdichte, Wohnterrassen überblicken eine spannende und pulsierende „Alles in Allem – Stadt“.
Die dreidimensionale Stadt wächst: Hauptverkehrsachsen gibt es nicht nur mehr in horizontaler Richtung, die vertikale Erschließung wird nicht zur Sackgasse, sie wird zum Thema. Horizontale Erschließung erfolgt auf mehreren Ebenen, durch ihre differenten Funktionen unterscheidbar und getrennt, wie Rad/Fußwege, PKW-LKW öffentlich, Schwebebahn.
ENTWICKLUNGSPHASEN
1. ENTWICKLUNGSSTUFE
Eine Untergrundbahn erschließt Bozen von Westen über den Hauptbahnhof nach Osten (Rittnerbahn, Bozner Boden).
2. ENTWICKLUNGSSTUFE
Von Punkt A der neuen U-Bahn fürt eine neue Trasse nach Süden, vorerst unterir-disch, doch bereits ab dem nördlichen Eisackufer als Schwebebahn geführt bis zum Punkt B. Station B bindet das bestehnde Wohnarea Haslach an die Innenstadt und ist Ausgangspunkt für SORG.
3. ENTWICKLUNGSSTUFE
Parallel zur Schwebebahn überfällt SORG die bestehende technoide Landschaft, untergräbt, durchdringt und umhüllt sie mit allem für eine pulsierende Stadt nortwendigen Funktionen.
4. ENTWICKLUNGSSTUFE
SORG breitet sich aus. Die Schwebebahn wird bis Punkt C verlängert. SORG be-ginnt das Industriegebiet mit neuen Aufgaben zu beleben. SORG wächst über die Eisack und verbindet sich mit den bestehenden Stadtstrukturen am nördlichen Eisacküfer.
5. ENTWICKLUNGSSTUFE
Verlängerung der Schwebebahntrasse bis Punkt D. SORG ist nicht zu stoppen.
6. ENTWICKLUNGSSTUFE
Schwebebahn wird bis Punkt E verlängert. SORG hat die Industriezone erobert.
7. ENTWICKLUNGSSTUFE
Endstadion. Die Schwebebahn führt bis zum Flughafen Bozen.
PROJEKTBESCHREIBUNG
CORPORITE IDENTITY
Durch die Schaffung eines neuen Verkehrssystems, basierend auf der Funktions-trennung, durch das Nebeneinander-, Übereinander- und Ineinanderlegen verschiedenster Bereiche, entsteht ein dicht frequentiertes Gebiet, mit ganz charakteristischen Eigenschaften. Die von den meisten Firmen angestrebte Corporite Idendity manifestiert sich nicht nur in der jeweils eigenen Gestaltung und Präsentation der jeweiligen Firma – es wird sich die gesamte Industriezone mit seinem neuen Konzept durch eine neue Qualität beweisen, ihre eigene Identität verkörpern und dadurch ein Magnet für Mittel- und Kleinbetriebe werden. Es wird sich ein Bestreben vieler Firmen entwickeln, dort eine Niederlassung zu eröffnen.
STATION
DIE KNOTEN DES SYSTEMS
Jede Entwicklungsstufe endet in einer Station. Die Rad- und Fußwege treffen sich in diesen Punkten, gehen unter der Schwebebahn, durch die Station. Die Station bildet Informationsknoten in der Stadt.
Sie enthält: Bahnhof, Geschäfte, Kino, Büros, öffentliche Einrichtungen und Tiefgaragen. Sie ist das Input/Output der einzelnen Stadtteile, verbindet die Stadt, stellt den Archetypen der Dezentralisierung dar. Sie ist intelligent, kann sich der Umgebung und den sich wechselnden Anforderungen anpassen. Sie ist dreidimensional, d.h. sie verbindet die Stadt in allen drei Dimensionen. Von ihr ausgehend entwickelt sich der Stadtteil der sie umgibt. Sie versorgt ihn und verbindet ihn mit den anderen Stadtteilen.
Von den Stationen aus wird „Leben“ in die Stadt „gepumpt“ werden.
MODULARER AUFBAU DER BESTEHENDEN UND NEUEN STADT
RECYCLING EINER STADT
Industriebauten verwandeln sich in Wohn- und Bürobauten, Wohnbauten verfließen mit Industrie und Verkehr. Dachstrukturen werden zu Wohngärten. Bauwerke können wiederverwendet werden, sich mit neuen Funktionen füllen, abgebaut werden und andernorts wieder aufgebaut werden. Eine globales Versorgungssystem garantiert maximale Flexibilität. Einzelne Elemente wie die Erschließungstürme der Rad- und Fußwege oder der Schwebebahn, Modularelemente der Wohn- und Industriebauten, die Stationen, Rampen und Wege, schaffen eine charakteristische Landschaft.
Es entstehen neue Arten von Industrie-, Büro- und Wohnbauten. Firmen werden sich auch nur für kurze Zeit in der Zone einmieten. Die ehemalige Industriezone mit ihren neuen mannigfaltigen Aufgaben, wird von einer immensen Fluktuation beherrscht sein. Die Langlebigkeit ist tot.
VERKEHRSKONZEPT
Die neue unterirdische Schnellbahn führt vom Westende der Stadt (Anbindung an das Krankenhaus möglich) über den Bahnhof bis zur Rittner Bahn.
An sie angeschlossen wird die neue Schnellbahn, die Richtung Flughafen geführt wird. Sie wird als Magnetschwebebahn mit mehreren kleinen Tansportkabinen 2- spurig ausgeführt. Am nördlichen Eisackufer taucht sie aus dem Untergrund auf und wird in weiterer Folge als Schwebebahn, über den Dächern der jetzigen Industriezone geführt. Ihr Ausbau erfolgt in mehreren Stufen, sodaß die Entwicklung der neuen Stadt nicht voreilig vorangetrieben wird.
So wird zum Beispiel eine vorerstige Endstation das bestehende Wohnareal Haslach optimal an Bozen anbinden. Begleitend dazu kann sich die in der Industriezone der neue Stadt ORGanisator entwickeln (SORG). Hat sich SORG ausgebreitet, die Industriezone bevölkert, kann über eine Verlängerung der Schwebebahn diskutiert werden. Endziel wird dabei die Anbindung an den Flughafen sein.
Unter der Schwebebahn werden zwei Rad- Fußwege geführt, ebenfalls über und durch die neuen Stadt verlaufend. An dieser Hauptachse liegen an den jeweiligen Ausbauabschnitten der Schwebebahn große Knotenpunkte, die STATIONEN, mit vielfältigen Funktionen.
An die Hauptachse werden auch alle übrigen Rad- Fußwege angeschlossen. Um eine deutliche Ablesbarkeit und Orientierung zu gewähren, erhalten sämtliche Ver-kehrswege je nach ihrer aufzunehmenden Transportkapazität bzw. ihrer Verwendung unterschiedliche Dimensionen, bzw. differente, jedoch charakteristische Attribute.
Die Schwebebahn und Rad- Fußwege treten als technische Stahlbauten in Erscheinung, sie überspannen und ver- bzw. entsorgen die neue Zone.
Die Anbindung der über den Dächern verlaufenden Verkehrswege an darunterlie-gende Verkehrsflächen oder Wohn-, Bürobauten, etc., erfolgt über Lift- und Treppentürme. Es wird auch Verkehrswege geben, die neben diversen Bauten „vorbeischweben“, oder sogar durch diese hindurchführen, wodurch sich eine völlig logische Art und Weise der Erschließung ergibt.
VERDICHTUNG DER INDUSTRIEZONE
Die Verdichtung der Industriezone erfolgt durch Wohn-, Büro- und Geschäftsbauten, sowie durch Anlagen für Freizeit und Erholung. Das Endprodukt wird ein sehr dicht bebautes Mischgebiet sein, mit seinem eigenen Charakter. Eine tragende Rolle für diese Entwicklung wird dabei der fortschreitende Ausbau der Schwebebahn mit ihren begleitenden, über den Dächern verlaufenden Wegen sein.
AUTOBAHN
Die Autobahn wird im Bereich Bozen mit einer Hülle versehen, zum einen um Lärm und Abgase vom Stadtzentrum fernzuhalten, zum anderen um der Autobahn einen neuen Charakter zu geben (das derzeitige Erscheinungsbild ist für eine Stadt nicht vertretbar). Von der Fahrbahnplatte werden zwei Fuß- und Radwege abgehängt, der Autobahn folgend, angeschlossen an das neue, ca. im 3. – 4. OG verlaufenden Rad- Fußwegenetz.


