Aufgabe: Revitalisierung Bauernhof
Auftraggeber: privat
Fotos: G.R.Wett
Möbel: Jochen Haidacher
Lichtplanung: Lichtfabrik Halotech
Text: Claudia Wedekind – aut.cc

Am westlichen Dorfrand von Gärberbach – oberhalb von Innsbruck – steht ein in seinem Baukern vermutlich auf das 16. Jahrhundert zurückgehendes Haus, das ehemals als Mühle und später landwirtschaftlich genutzt wurde. Eine dazugehörige Kapelle aus dem 18. Jahrhundert war Ort der Messfeier mit Andreas Hofer kurz vor der Schlacht am Bergisel im Jahre 1809.

Der Raum
Zwischen dem wuchtigen, dreigeschossigen Wohnhaus und der Kapelle ist eine breite, offene Tenne situiert, die zusammen mit der ehemaligen Kapelle und dem offenen Dachstuhl für Wohnzwecke adaptiert wird. Die großen Volumen der quer liegenden Tenne und des in Giebelrichtung ausgerichteten Dachstuhls formen einen Innenraum, der durch das restaurierte Bundtramwerk zu einer Einheit zusammengefasst wird.
Der heutige Eingang bei der westlich gelegenen Auffahrt zur Tenne, gleich rechts davon befindet sich die ehemalige Kapelle, welche heute als offener Küchenraum dient. Die Lochfenster der Kapellen wurden geöffnet und durch drei schmale Balkontüren hin zur südseitigen Terrasse ersetzt.

Leben in der Tenne
Das teilweise über zwei Geschosse offene Erdgeschoss dient als Wohn- und „Kochraum“. Die Schlafzimmer sind im Dachgeschoss situiert, das von der Belichtung eher dunkler gehalten ist. Auf eine klare Trennung von Intimität und Offenheit wurde verzichtet. Alle Innenräume sind als gleichwertige Räume entwickelt, die sich nicht durch eine eindeutige Funktion identifizieren. Der Mittelgang durch das Haus hat Beiläufigkeit und Selbstverständlichkeit; es gibt keine geführten Wege.

Insgesamt wurden weniger Räume und Zimmer geschaffen, sondern viel mehr Atmosphären und Nischen, die durchlässig hintereinander, nebeneinander und übereinander geschichtet sind. Neues fügt sich behutsam ins Alte ein. Es offenbart sich nicht in der architektonischen Gliederung, sondern im Freimachen der Räume. Subtile Lösungen für Licht und Belichtung, eine hochwertige Innenausstattung und ein reduziertes Farbkonzept prägen diese Transformation, in der es weniger um das Schaffen von Raum, als um das Sichtbarmachen von Raum geht.